Italien-Urlaub mit Kindern: Gardasee, Südtirol, Toskana
Italien-Urlaub mit Kindern abseits der Adria: warum der Gardasee den Kindern vormittags gehört, die Seiser Alm kein Auto duldet und Florenz Kinder frei lässt.

Die Adria mit ihren flachen Sandstränden ist die naheliegende Antwort auf einen Italien-Urlaub mit Kindern, und sie steht mit Lignano und Nin ausführlich unter Urlaub mit Kindern am Meer. Italien hat aber mehr als Strand: den Gardasee, die Südtiroler Hochalmen und die Toskana.
Drei Gegenden, drei völlig verschiedene Tagesabläufe. Am See bestimmt der Wind, wann gebadet wird. In den Dolomiten bestimmt eine Straßensperre, wie ihr überhaupt hinaufkommt. Und in Florenz oder Pisa entscheidet das Alter der Kinder, wer wo hineindarf.
Gardasee: der See gehört euch am Vormittag
Zwischen Riva del Garda, Torbole und Arco liegen frei zugängliche Badestellen an einer Uferpromenade, mal schmal, mal breit, mit Bars und Eisdielen direkt dahinter. Der obere See hat allerdings zwei feste Winde, und die entscheiden mit Kleinkindern über den Unterschied zwischen einem ruhigen und einem anstrengenden Nachmittag.
Der Pelèr kommt in den ersten zwölf Stunden des Tages aus Norden und erreicht bis zu 13 Meter pro Sekunde. Ab etwa Mittag dreht der Wind: Dann weht die Ora aus Süden bis zum Sonnenuntergang, über 10 Meter pro Sekunde, und sie kann kräftige Wellen aufbauen, im Hochsommer am stärksten. Für Surfer ist das der Grund, überhaupt anzureisen. Für eine Familie mit einem Dreijährigen und einer Luftmatratze ist es der Grund, den Badeplatz vormittags aufzusuchen und den Nachmittag ins Eiscafé oder auf den Spielplatz zu verlegen.
Für den Tag, an dem niemand mehr Wasser sehen will, gibt es zwei Auswege. Die Seilbahn von Malcesine auf den Monte Baldo fährt vom 4. April bis 1. November, mindestens alle 30 Minuten ab 8:30 Uhr, Kinderwagen dürfen ungefaltet mit. Kinder bis 1,20 Meter fahren kostenlos, ihre Freikarte gibt es aber ausschließlich an den Kassen der Stationen, nicht online. Am oberen Sessellift nach Prà Alpesina müssen Kinder unter acht Jahren oder unter 1,20 Meter von den Eltern begleitet werden. Die zweite Möglichkeit liegt am Südostufer: Im Parco Natura Viva bei Bussolengo fahrt ihr mit dem eigenen Auto durch den Safaribereich, Kinder unter drei Jahren kommen kostenlos hinein.
Oben auf dem Monte Baldo ist es auch im August angenehm kühl, und der Blick reicht über den ganzen See bis zu den Bergen dahinter. Unten am Ufer merkt ihr davon nichts, dort steht die Hitze zwischen Felswand und Wasser.
Südtirol: ein Hochtal, in das das Auto nicht darf
Die Seiser Alm ist Südtirols Sommerklassiker für Familien, und sie funktioniert nach eigenen Regeln. Die Straße hinauf ist für Privatfahrzeuge nur vor 9 und nach 17 Uhr geöffnet, die Talfahrt ist jederzeit erlaubt. Wer trotzdem hinauffährt, braucht in der Sommersaison seit Ende Juni eine Parkplatzreservierung, buchbar bis zu sechs Tage im Voraus, und zahlt am Spitzbühl 15 Euro oder in Compatsch 30 Euro für den Tag. Gäste, die oben übernachten, und Menschen mit europäischem Behindertenausweis sind ausgenommen.
Deutlich entspannter ist die Umlaufbahn von Seis aus. Sie braucht 15 Minuten, nimmt Rucksack, Kinderwagen, Rad und Hund mit und fährt im Sommerbetrieb bis Anfang November. Kinder der Jahrgänge ab 2018 fahren kostenlos, für zwei Erwachsene mit ihren Kindern kostet die Berg- und Talfahrt 65 Euro. Oben liegt eine weite, fast ebene Almfläche vor dem Schlern, auf der Kinderwagen tatsächlich rollen, statt sich festzufahren. Das ist der eigentliche Unterschied zu den meisten Bergzielen: Der Weg beginnt hier nicht mit einem Anstieg.
Für einen Regentag gibt es unten in Bozen das Südtiroler Archäologiemuseum, in dem Ötzi liegt. Kinder unter sechs Jahren zahlen nichts, die Familienkarte für zwei Erwachsene mit Kindern unter 16 kostet 26 Euro. Dienstag bis Sonntag ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags nur im Juli und August. Die Führung „Ötzi und seine Welt“ ist für Kinder zwischen 6 und 11 gemacht und läuft auf Deutsch samstags um 14 Uhr und sonntags um 11 Uhr, für 4 Euro zusätzlich; angemeldet wird vor Ort, die Plätze sind begrenzt. Für den Rundgang auf eigene Faust gibt es eine kostenlose Kinder-App des Museums, ebenfalls ab sechs Jahren. Wie dieselbe Gegend im Winter funktioniert, steht unter Winterurlaub mit Kindern.
Toskana: die Städte lassen Kinder umsonst hinein
In den Uffizien in Florenz kommen unter 18-Jährige jeder Staatsangehörigkeit mit einem Ausweis kostenlos hinein, Kinder unter zwölf allerdings nur in Begleitung Erwachsener. Eingelassen wird nur mit verbindlicher Reservierung. Plant den Besuch deshalb als festen Termin des Tages ein, nicht als spontanen Zwischenstopp.
In Pisa gilt das Gegenteil. Auf den Schiefen Turm darf nur, wer im laufenden Jahr acht Jahre alt wird oder älter ist; jüngere Kinder kommen nicht hinein, auch nicht an der Hand der Eltern. Ein zahlender Erwachsener darf mehrere Kinder begleiten und muss deren Alter mit einem Ausweis belegen. Taschen und Rucksäcke bleiben unten, dafür gibt es eine kostenlose Garderobe für Turmbesucher, und ihr solltet eine Viertelstunde vor der gebuchten Zeit da sein. Mit einem Sechsjährigen im Schlepptau plant ihr also besser gleich, wer unten wartet.
Das entspannteste Ziel der Region kostet nichts. Bei Saturnia in der Maremma treten die Cascate del Mulino aus dem Boden, schwefelhaltiges Wasser mit 37,5 Grad, das hinter einer alten Mühle in natürliche Becken läuft. Der Zugang ist ganzjährig frei, es gibt keine Kasse und keine Öffnungszeit. Das Wasser riecht nach Schwefel, die Becken sind unterschiedlich tief, und besonders beliebt ist die Stelle laut der Tourismusagentur der Region im Winter. Für Kinder ist es eine riesige Badewanne im Freien, für Eltern der einzige Programmpunkt eines Toskana-Tages, der niemanden ermahnt, leise zu sein.
Mit dem Auto: Vignette, Kameras, Kennzeichen
Zwei Dinge auf dem Weg nach Italien kosten Familien regelmäßig mehr, als nötig wäre.
Das erste ist die österreichische Vignette. Die Zehntagesvignette kostet 12,80 Euro, zwei Monate 32,00 Euro, das Jahr 106,80 Euro. Der Haken steckt im Onlinekauf: Digitale Jahres- und Zwei-Monats-Vignetten aus dem Mautshop sind wegen des Konsumentenschutzes erst 18 Tage nach dem Kauf gültig. Tages- und Zehntagesvignetten lassen sich dagegen wahlweise mit sofortiger Gültigkeit kaufen. Wer kurzfristig losfährt, nimmt also die kurze Variante oder kauft an einer Verkaufsstelle. Ab dem Vignettenjahr 2027 gibt es ohnehin nur noch die digitale Form, die am Kennzeichen hängt und für bis zu drei Fahrzeuge gilt.
Das zweite sind die Zonen mit beschränktem Verkehr in den italienischen Altstädten. In Florenz erfassen Kameras an den Zufahrten automatisch jedes Kennzeichen. In den Sektoren A, B und O gilt die Sperre montags bis freitags von 7:30 bis 20 Uhr und samstags von 7:30 bis 16 Uhr, dazu kommt vom ersten Donnerstag im April bis zum ersten Sonntag im Oktober eine nächtliche Sperre von Donnerstag bis Samstag. Anzeigetafeln an den Einfahrten zeigen grün oder rot, ob gerade kontrolliert wird. Ob und wie Übernachtungsgäste einfahren dürfen, steht nicht auf der ZTL-Seite der Stadt. Klärt das mit der Unterkunft, bevor ihr losfahrt, nicht danach.
Angaben der Betreiber, der Gemeinde Florenz und von oesterreich.gv.at, Stand September 2026.
Häufige Fragen
Welche Region in Italien passt zu kleinen Kindern?
Mit Kindern unter sechs ist die Seiser Alm die einfachste Wahl: ebene Wege, kurze Anfahrt mit der Umlaufbahn und kein Hitzestau. Der nördliche Gardasee passt, wenn ihr den Tagesablauf an den Wind hängt und vormittags badet. Die Toskana lohnt eher ab dem Grundschulalter, weil dort die Städte den Ton angeben.
Wie kommt man ohne Auto auf die Seiser Alm?
Mit der Umlaufbahn ab Seis. Sie fährt im Sommer je nach Zeitraum von 8 bis 18 oder 19 Uhr, braucht 15 Minuten nach oben und nimmt Rucksack, Kinderwagen, Rad und Hund mit. Wer unten parkt, spart sich zugleich die Parkgebühr und die Reservierung oben.
Ab welchem Alter dürfen Kinder auf den Schiefen Turm von Pisa?
Ab acht Jahren, wobei das im laufenden Kalenderjahr erreichte Alter zählt. Jüngere Kinder dürfen den Turm auch in Begleitung nicht besteigen. Der Dom und die übrigen Bauten auf dem Platz sind davon nicht betroffen.
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