Prag entlang des Königswegs: alles an einer Linie
Prags Sehenswürdigkeiten liegen fast alle am alten Krönungsweg: Pulverturm, Orloj, Karlsbrücke und Burg. Mit Preisen in Kronen, Zeiten und einer Reihenfolge.

Prag musst du nicht nach Rangliste besichtigen. Die Stadt hat eine fertige Route, und die stammt nicht aus dem Reiseführer: den Krönungsweg, auf dem die böhmischen Könige vom Pulverturm über den Altstädter Ring und die Karlsbrücke hinauf zur Burg zogen. Prague City Tourism nennt den Turm ausdrücklich den Ausgangspunkt dieser Königsroute.
Läufst du diese Linie ab, hast du am Ende fast alles gesehen, wofür Leute nach Prag fahren, und gehst dabei nie im Kreis. Was das kostet und wann es voll wird, entscheidet sich an vier Stellen.
Der Anfang: Pulverturm und Altstädter Ring
Der Grundstein des Pulverturms am Platz der Republik wurde 1475 gelegt, sein heutiges Gesicht bekam der Turm zwischen 1875 und 1886 im neugotischen Umbau. Von der Galerie in 44 Metern Höhe siehst du die Dächer, über die der Weg gleich führt; hinauf bringen dich 186 Steinstufen einer Wendeltreppe, einen Aufzug gibt es nicht. Von Juni bis September ist der Turm bis 20.30 Uhr offen, im Winter deutlich kürzer.
Ein paar Gassen weiter beginnt der Altstädter Ring, und dort steht das, worauf sich stündlich hunderte Handys richten: die Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus. Zwischen 8 und 23 Uhr treten zu jeder vollen Stunde die zwölf Apostel in den beiden Fensterchen unter dem Dächlein auf, jeder mit seinem Attribut. Das Schauspiel ist kurz. Für die erste Reihe stehst du zehn Minuten vorher da.
Interessanter als die Uhr von unten ist das Rathaus selbst. Von April bis Dezember öffnet es täglich von 9 bis 20 Uhr, der Eintritt kostet 350 Kronen, Kinder von 6 bis 15 Jahren zahlen 230. Der Aufzug auf den Turm schlägt mit 100 Kronen extra zu Buche. Oben liegt dir der ganze Platz zu Füßen, und du verstehst in einer Minute, warum dieser Ring und nicht die Burg das Herz der Altstadt ist.
Die Karlsbrücke und die Frage nach der Uhrzeit
Die Karlsbrücke ist der Abschnitt des Weges, bei dem die Uhrzeit alles verändert. 515,76 Meter lang, dreißig Skulpturen und Skulpturengruppen auf der Brüstung, die meisten aus dem frühen 18. Jahrhundert. Gebaut wurde ab 1357, fertig war sie erst 1402.
Tagsüber ist das ein Strom aus Menschen, Karikaturisten und Musikern. Im Morgengrauen, so wie auf dem Bild oben, stehen dort die Figuren allein gegen den Himmel, und du hörst das Wasser. Es ist derselbe Ort, aber nicht dieselbe Erfahrung.
Den besten Blick auf beides hast du vom Altstädter Brückenturm. 138 Stufen führen auf die Galerie in rund 47 Metern Höhe, der Eintritt kostet 250 Kronen. Im Sommerhalbjahr ist der Turm bis 20.30 Uhr geöffnet, im Winter bis 18 Uhr. Karten verkauft ausschließlich Prague City Tourism, an den eigenen Kassen und online.
Der Aufstieg zur Burg
Jenseits der Brücke steigt der Weg durch die Kleinseite an. Das Burgareal selbst ist täglich von 6 bis 22 Uhr offen, und dieser Teil kostet nichts: Höfe, Gassen und der Blick über die Stadt sind frei zugänglich. Am Eingang können Besucher stichprobenartig kontrolliert werden, was bei Andrang Zeit kostet.
Geld verlangt die Burg erst für die Gebäude. Der Rundgang für 450 Kronen umfasst den Alten Königspalast, die St.-Georgs-Basilika, den Veitsdom und das Goldene Gässchen mit dem Turm Daliborka. Beim Kurs vom 18. September 2026 sind das gut 18 Euro. Entscheidend ist eine Zeile im Kleingedruckten, die die Planung ändert: Das Ticket gilt zwei Tage, jedes Gebäude darfst du einmal betreten. Du musst die Burg also nicht an einem Nachmittag durchhetzen.
Die historischen Gebäude öffnen von April bis Oktober von 9 bis 17 Uhr, im Winterhalbjahr nur bis 16 Uhr. Die Wachablösung findet stündlich zwischen 9 und 18 Uhr statt, die große Zeremonie mit Fanfaren täglich um 12 Uhr im ersten Hof. Wer den Veitsdom ohne Gedränge sehen will, kommt genau dann, wenn alle anderen unten im Hof stehen.
Was der Weg auslässt
Nördlich des Altstädter Rings liegt Josefov, das ehemalige jüdische Viertel, und es ist der einzige Ort in Prag, für den sich ein halber Tag außerhalb der Route lohnt. Ein einziges Ticket für 600 Kronen öffnet sechs historische Synagogen und den Alten Jüdischen Friedhof, für Studierende bis 26 kostet es 400 Kronen. Der Rundgang dauert zwei bis drei Stunden, das Ticket gilt drei Öffnungstage. Geschlossen ist samstags und an jüdischen Feiertagen, und das ist der Punkt, an dem Wochenendreisen regelmäßig scheitern.
Auf dem alten Friedhof stehen die Grabsteine dicht an dicht und schief gegeneinander. Man geht dort leise, auch ohne Schild.
Reihenfolge, Kronen und Fahrscheine
Für zwei Tage teilst du den Weg am besten so: Tag eins am frühen Morgen über die leere Karlsbrücke hinauf zur Burg, mittags das Burgticket anfangen, nachmittags zurück in die Altstadt. Tag zwei gehört Josefov und dem Rathausturm, und am Abend nutzt du die zweite Hälfte des Burgtickets für das, was am Vortag nicht mehr ging. Hast du nur einen Tag, lass den Pulverturm weg und nicht die Brücke.
Ein Fahrschein für Metro, Tram und Bus kostet 150 Kronen für 24 Stunden, in der App etwas weniger. Kinder unter 15 Jahren fahren kostenlos. Für eine Familie mit zwei Kindern ist das der größte Unterschied zu einer Städtereise nach Dresden oder Berlin: Der Nahverkehr fällt fast weg, die Eintritte nicht.
Preise und Öffnungszeiten: Stand 20. September 2026, Angaben von Prague City Tourism, des Jüdischen Museums in Prag und des Verkehrsbetriebs DPP; Umrechnung nach dem EZB-Referenzkurs vom 18. September 2026.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Prag?
Zwei volle Tage reichen für den Krönungsweg samt Burg und für Josefov. Weil das Burgticket zwei Tage gilt, lässt sich der Besuch ohnehin sinnvoll teilen. Ein Tag reicht nur, wenn du dich auf Altstädter Ring, Karlsbrücke und das frei zugängliche Burgareal beschränkst.
Welche Sehenswürdigkeiten in Prag kosten nichts?
Die Karlsbrücke, der Altstädter Ring mit dem Apostelumgang der Uhr und das Burgareal mit seinen Höfen und Gassen, das täglich von 6 bis 22 Uhr offen steht. Bezahlt wird erst, wo ein Turm bestiegen oder ein Innenraum betreten wird. Damit lässt sich ein ganzer Tag füllen, ohne eine Kasse zu sehen.
Wann ist die Karlsbrücke am leersten?
Früh am Morgen, vor dem Frühstück. Die Brücke ist rund um die Uhr zugänglich und kostet nichts, während die Türme an beiden Enden feste Öffnungszeiten haben. Für Fotos im Morgenrot musst du vor der ersten Reisegruppe dort sein.


