Fuerteventuras Sehenswürdigkeiten liegen an vier Straßen
Fuerteventuras Sehenswürdigkeiten, sortiert nach Strecken: Dünen und Lobos im Norden, Betancuria im Bergland, Ajuy an der Westküste, Cofete am Ende der Piste.

Fuerteventura ist über hundert Kilometer lang und trotzdem schnell erzählt, weil sich fast alles an vier Strecken aufreiht. Wer die Insel nach Orten plant, fährt zweimal dieselbe Straße. Wer sie nach Strecken plant, hat vier Tage, die sich nicht ähneln: einen im Sand, einen im Bergland, einen an einer Steilküste aus Gestein, das älter ist als die Insel, und einen auf einer Piste, an deren Ende zwölf Kilometer leerer Strand liegen.
Die FV-1 im Norden: Dünen, Lobos und La Oliva
Nördlich von Puerto del Rosario läuft die FV-1 durch den Parque Natural Dunas de Corralejo. Der Streifen misst 2,5 mal 10,5 Kilometer und trägt nach Angaben der Inselverwaltung das größte Dünenfeld der Kanaren. Der Sand ist hell, das Wasser türkis, und weiter südlich kippt die Landschaft ins Schwarze und Rostrote, wo die Montaña Roja steht. Geparkt wird nur in den ausgewiesenen Buchten, alles andere ist Schutzgebiet.
Vom Hafen in Corralejo sind es rund fünfzehn Minuten mit dem Boot zum Islote de Lobos, viereinhalb Quadratkilometer Lava, höchster Punkt 127 Meter. Die Genehmigung beantragst du vorher online über lobospass.com, das Portal des Cabildo. Es gibt zwei Zeitfenster, vormittags von 10 bis 14 Uhr und nachmittags von 14 bis 18 Uhr, und je Zeitfenster dürfen 200 Menschen auf den Islote. Das Ticket fürs Boot ersetzt die Genehmigung nicht; beides brauchst du.
Auf Lobos steckt mehr Geschichte, als die kahle Fläche vermuten lässt. Seit 2012 gräbt ein Team im Auftrag des Cabildo an der Fundstelle Lobos I und hat dort eine römische Purpurwerkstatt freigelegt. Die zehnte Kampagne brachte neben Keramik und Essensresten weitere Funde aus der Purpurverarbeitung. Die Stücke stehen im Archäologischen Museum der Insel, und das liegt in Betancuria, also schon auf der nächsten Strecke.
Ein paar Kilometer landeinwärts liegt La Oliva mit der Casa de los Coroneles, einem Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, und der Kirche Nuestra Señora de la Candelaria, deren Glockenturm aus behauenem Quaderstein besteht. Dahinter erhebt sich die Montaña de Tindaya, und sie ist der Punkt, an dem Fuerteventura streng wird: In die Hänge sind über dreihundert fußförmige Gravuren geschlagen, und der Cabildo hat den Aufstieg mit Dekret 6.143 vom 30. Dezember 2019 gesperrt. Wer hinauf will, braucht eine Genehmigung der Denkmalbehörde. Von unten ist der Berg trotzdem eindrucksvoll, weil er so frei aus der Ebene steht.
Die Bergstraße: Betancuria und der Parque Rural
Von der Küste windet sich die Straße in ein Tal, das Jean de Béthencourt 1404 ausgesucht hat, weil es vom Meer aus nicht zu sehen ist. Geschützt hat die Lage den Ort nur bedingt, Hauptstadt der Insel blieb er trotzdem lange. Seit 1979 steht Betancuria als Ensemble unter Schutz.
Die Kirche Santa María, die Reste des Franziskanerklosters San Buenaventura und die kleinen Kapellen von Santa Inés und Nuestra Señora de la Peña liegen so dicht beieinander, dass ein Vormittag reicht. Nebenan zeigen zwei Museen, das für sakrale Kunst und das archäologisch-ethnografische, was aus der Zeit vor der Eroberung und aus der Kolonialzeit übrig ist. Dazwischen ist es still, kühler als unten und grüner, als man Fuerteventura zutraut.
Rundherum liegt der Parque Rural de Betancuria, und die Straße über die Pässe ist selbst die Sehenswürdigkeit: kahle Rücken, Trockenmauern, Ziegen, Aussichtspunkte an jeder zweiten Kehre. Nimm dir Zeit für die Kurven statt für die Kilometer.
Ajuy: Gestein, das älter ist als die Insel
An der Westküste endet eine Nebenstraße in Ajuy, einem Fischerort mit dunklem Strand. Von dort führt ein knapp 260 Meter langer Weg über eine versteinerte Düne zu den Cuevas de Ajuy. Die Schichten dort sind nach Angaben der Tourismusbehörde die ältesten Gesteine der Kanaren: in der Kreidezeit in der Tiefsee entstanden, 100 bis 150 Millionen Jahre alt. Fuerteventura selbst bringt es auf rund 30 Millionen. Du stehst also auf Meeresboden, der lange vor der Insel entstanden ist.
Am Weg stehen alte Kalköfen; von hier aus ging das Material direkt in die Boote. Unten schlägt der Atlantik in die Höhlen, und genau das macht den Ort auch unangenehm: Bei Seegang wird der Abstieg nass und rutschig, und die Brandung an dieser Küste ist nichts zum Ausprobieren.
Die Piste nach Cofete
Hinter Morro Jable hört der Asphalt auf. Von dort sind es 8,5 Kilometer Schotter und Stein über den Kamm der Halbinsel Jandía, mit Abschnitten, die die Tourismusbehörde ausdrücklich als schwierig bezeichnet und für die sie einen Allradwagen empfiehlt. Viele Mietwagenverträge schließen unbefestigte Strecken aus, und das ist der Punkt, an dem du vor der Buchung nachliest.
Oben öffnet sich der Blick auf zwölf Kilometer Strand ohne Bebauung, dahinter die Kette des Jandía-Massivs. Im Weiler steht ein Restaurant, der Parkplatz ist unbewacht. Gebadet wird hier nicht nach Gefühl: Fuerteventura Turismo warnt vor Wellen und Wind und rät zu äußerster Vorsicht. Wer das akzeptiert, bekommt eine Küste, an der nichts steht. Von Morro Jable aus ist es ein halber Tag, mehr nicht, aber der lohnt sich mehr als jeder zweite Küstenort.
Ohne Mietwagen unterwegs
Das Inselnetz fährt TIADHE im Auftrag des Cabildo, mit 18 Linien und 48 Bussen zwischen Corralejo, Puerto del Rosario, El Cotillo, Betancuria und Morro Jable. Für Corralejo, Puerto del Rosario und Morro Jable reicht das gut, für Ajuy und Betancuria wird es ein langer Tag, und nach Cofete kommst du damit nicht.
Bleibt die Fähre. Von Corralejo nach Playa Blanca auf Lanzarote sind es laut Fred Olsen 25 oder 35 Minuten, je nach Schiff, Autos fahren mit. Als Tagesausflug ist das die bequemste Ergänzung zur Insel, und für alle, die lieber in Höhenstufen als in Straßen denken, liegt Teneriffa zwei Inseln weiter westlich. Genehmigungspflichtig sind die schönsten Wege übrigens auch auf Madeira.
Regeln, Schutzgebiete und Verkehrsangaben: Stand 20. September 2026, nach Cabildo de Fuerteventura, Fuerteventura Turismo, TIADHE und Fred Olsen.
Häufige Fragen
Wie lange vorher muss ich die Lobos-Genehmigung beantragen?
Der Cabildo vergibt über lobospass.com je Zeitfenster nur 200 Plätze. Plane die Fahrt deshalb zusammen mit dem Bootsticket und nicht erst am Vortag. Ohne die Genehmigung wirst du beim Anlegen zurückgewiesen.
Brauche ich auf Fuerteventura einen Allradwagen?
Für die FV-1, die Bergstraße nach Betancuria und die Westküste reicht jeder Kleinwagen. Nur für Cofete empfiehlt die Tourismusbehörde Allrad, weil die 8,5 Kilometer Piste streckenweise grob sind. Wer nur diesen einen Tag dorthin will, bucht dafür besser eine geführte Tour, statt die ganze Woche einen Geländewagen zu bezahlen.
Lohnt sich Fuerteventura auch ohne Strandtage?
Ja, wenn du Landschaft magst. Dünenfeld, Bergland, die Kalköfen von Ajuy und die Kreidezeit-Schichten darunter tragen mehrere Tage, und die Insel ist klein genug, dass jede dieser Strecken von jedem Quartier aus an einem Tag machbar ist.
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