Ausflugsziele in Sachsen: Silberstollen, Schmalspur und Grenzland
Ausflugsziele in Sachsen jenseits der großen Städte: Welterbe im Erzgebirge, Porzellan in Meißen, Dampfzüge, Oberlausitz und drei echte Geheimtipps.

Sachsen ist nach der Fläche ein mittelgroßes Land, aber es hat eine ungewöhnlich hohe Dichte an Dingen, die sonst nirgends stehen: das erste europäische Porzellan, eine Ziegelbrücke, die als größte der Welt gilt, ein Welterbe, das sich über eine Staatsgrenze zieht, und ein Schmalspurnetz, auf dem täglich Dampfloks fahren. Dresden und Leipzig haben eigene Rundgänge verdient, hier geht es um das Land dazwischen und darum herum. Sortiert ist es nicht nach Landkarte, sondern danach, wovon ein Ziel erzählt.
Welterbe unter Tage: die Montanregion Erzgebirge
Im Erzgebirge hat der Bergbau über 800 Jahre hinweg das Landschaftsbild geformt, und das ist bis heute zu sehen. Seit Juli 2019 führt die UNESCO die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als Welterbe, insgesamt 22 Bestandteile, davon 17 in Sachsen. Dazu zählen Bergbaulandschaften, Hüttenstandorte und Besucherbergwerke, in denen du mit Helm und Grubenbahn einfährst.
Der beste Einstieg ohne Stollenfahrt liegt in Freiberg. Im Schloss Freudenstein zeigt die Terra Mineralia Minerale aus aller Welt, gleich nebenan im Krügerhaus die deutsche Sammlung. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen bis 18 Uhr; montags bleibt zu, außer der Montag ist selbst ein Feiertag. Die Tageskarte kostet 10 Euro, die Familienkarte 22 Euro, die Kombikarte für beide Häuser 14 Euro. Der letzte Einlass ist rund eine Stunde vor Schluss.
Freiberg selbst ist für einen Nachmittag angenehm überschaubar. Der Dom St. Marien steht mit der Goldenen Pforte und den Silbermann-Orgeln mitten in der Stadt, die Reiche Zeche als Lehr- und Forschungsbergwerk der Bergakademie am Rand. Es riecht in dieser Stadt nach Stein und altem Holz, und an vielen Häusern erkennst du noch, dass hier einmal sehr viel Geld im Boden lag.
Porzellan und Schlösser an der Elbe
Auf der Albrechtsburg über Meißen begann 1710 die europäische Porzellanherstellung. Der spätgotische Bau steht über dem Dom hoch über der Elbe. Geöffnet ist von 10 bis 17 Uhr, dienstags ist Ruhetag, der Eintritt kostet 12 Euro. Plane den Weg zum Burgberg zu Fuß ein, das Kopfsteinpflaster ist steil.
Schloss Moritzburg liegt nordwestlich von Dresden auf einer künstlichen Insel im Teich und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ebenfalls für 12 Euro. Der Schlosspark steht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang offen und kostet nichts. Zwei Termine sind wichtig: Das Fasanenschlösschen ist nur bis zum 1. November und nur mit Führung zu sehen, die Winterausstellung zum Aschenbrödel-Film öffnet nach Angaben des Schlosses erst am 20. November 2026 wieder. Für sie musst du im Advent kommen, nicht im Herbst.
Mit Dampf: die Schmalspurbahnen
Anderswo fahren historische Züge an ein paar Wochenenden im Jahr. In Sachsen sind sie Teil des Nahverkehrs. Die Lößnitzgrundbahn pendelt von Radebeul Ost über Moritzburg nach Radeburg, laut Betreiber von Januar bis Dezember täglich mit Dampfzügen; Hin- und Rückfahrt dauern zusammen gut zwei Stunden. Der Halt Moritzburg liegt so, dass sich Bahn und Schloss zu einem einzigen Tag verbinden lassen, ohne das Auto zu bewegen.
Die Fichtelbergbahn fährt von Cranzahl nach Kurort Oberwiesenthal hinauf, eine komplette Hin- und Rückfahrt dauert zweieinhalb Stunden. Fahrrad und Hund kosten auf beiden Strecken einen kleinen Aufpreis, der Kinderwagen fährt umsonst mit. Im Zittauer Gebirge bringt dich die Zittauer Schmalspurbahn von Zittau über Bertsdorf nach Oybin oder Jonsdorf, und damit direkt an den Fuß der Felsen.
Für Familien mit kleinen Kindern ist die Lößnitzgrundbahn die beste Wahl der drei: kurze Fahrzeit, täglicher Betrieb und am Ziel ein Schloss mit Wiese davor.
Grenzgänge in der Oberlausitz
Im Osten liegen die Ziele, bei denen der Tagesausflug über eine Staatsgrenze führt. Görlitz zählt nach Angaben der Stadt fast 4.000 Baudenkmale aus 500 Jahren, von der Spätgotik bis zum Jugendstil, und über die Altstadtbrücke gehst du zu Fuß ins polnische Zgorzelec. Die Filmleute nennen die Stadt Görliwood, und wer ein paar Stunden durch die Gassen läuft, versteht, warum.
Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau steht seit dem 2. Juli 2004 auf der Welterbeliste und liegt zu beiden Seiten der Neiße. Die Doppelbrücke, 1945 zerstört und von 2000 bis 2003 wiederhergestellt, schließt den grenzüberschreitenden Rundweg. Das Tourismuszentrum ist noch bis zum 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr besetzt.
In Bautzen zählt die Stadt 16 Türme und Basteien. Die Alte Wasserkunst trägt eine Aussichtsplattform in 47 Metern Höhe und öffnet von April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr, im Winter kürzer, im Januar nur am Wochenende. Der Reichenturm, 56 Meter hoch, neigt sich um 1,41 Meter nach Nordwesten und ist von April bis Oktober begehbar. Burg und Kloster Oybin auf dem 514 Meter hohen Felsen sind ganzjährig geöffnet, von April bis Oktober für 9 Euro und als Familie für 22 Euro, im Winter deutlich günstiger. Von hier ist es nicht weit nach Tschechien, und für einen längeren Abstecher lohnt sich der Blick auf Prags Sehenswürdigkeiten.
Drei Geheimtipps zwischen Mulde und Vogtland
Als Geheimtipp firmiert in Sachsen vieles. Diese drei Ziele sind es tatsächlich, weil sie abseits der Achse Dresden–Leipzig liegen.
Burg Kriebstein über der Zschopau ist noch bis zum 1. November geöffnet, montags ist Ruhetag. Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder von 6 bis 16 Jahren nur 1 Euro; mit der Burg Mildenstein zusammen kostet das Kombiticket 14 Euro. Damit ist Kriebstein eines der günstigsten Burgziele des Landes für Familien.
Schloss Colditz war im Zweiten Weltkrieg das Kriegsgefangenenlager Oflag IV C, aus dem britische Offiziere unter anderem mit einem selbstgebauten Segelflugzeug zu fliehen versuchten. Das Fluchtmuseum erzählt diese Geschichte, der Eintritt kostet 12 Euro und schließt den Tablet-Guide ein. Bis zum 1. November ist täglich offen, danach nur noch eingeschränkt, im Dezember, Januar und Februar für Einzelbesucher gar nicht.
Und dann die Göltzschtalbrücke im Vogtland, die nach Angaben der Stadt Reichenbach die größte Ziegelsteinbrücke der Welt ist: 78 Meter hoch, 574 Meter lang, 81 Bögen in vier Etagen, rund 26 Millionen Ziegel, gebaut von 1846 bis 1851. Von unten im Tal wirkt sie wie ein römisches Aquädukt, das jemand um den Faktor drei vergrößert hat. Hin kommst du kostenlos und jederzeit, ein Wanderweg führt von Reichenbach direkt hin, Parkplätze gibt es am Bauwerk.
Preise, Öffnungszeiten und Saisontermine: Stand September 2026, Angaben der Betreiber, Städte und Welterbe-Stellen.
Häufige Fragen
Welche Ausflugsziele in Sachsen sind echte Geheimtipps?
Burg Kriebstein, Schloss Colditz und die Göltzschtalbrücke liegen alle abseits der viel befahrenen Strecke zwischen Dresden und Leipzig und sind entsprechend ruhiger. Die Brücke kostet nichts und ist jederzeit zugänglich, die beiden Schlösser schließen dagegen im Winter. Wenig los ist auch in Bad Muskau, sobald die Tagesgäste weg sind.
Was hat im Winter geöffnet?
Burg und Kloster Oybin sind ganzjährig zugänglich, die Terra Mineralia in Freiberg ebenfalls, ebenso Schloss Moritzburg mit der Aschenbrödel-Ausstellung ab dem 20. November. Die Alte Wasserkunst in Bautzen öffnet im Januar nur am Wochenende. Burg Kriebstein und Schloss Colditz machen im Winter weitgehend dicht.
Lohnt sich Sachsen für einen längeren Aufenthalt?
Ja, weil sich die Themen gut zu Tagen bündeln lassen: ein Tag Bergbau, ein Tag Schlösser, ein Tag Oberlausitz. Mit Kindern lässt sich das gut mit der Sächsischen Schweiz verbinden, die im Überblick zum Kurzurlaub mit Kindern steht. Für die Städte selbst gibt es eigene Rundgänge, etwa zu Dresdens Sehenswürdigkeiten und Leipzigs Sehenswürdigkeiten.
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